Also, ich fühle mich aus gegebenem Anlass bemüßigt mal ein wenig Aufklärungsarbeit bezüglich des Berufes des Designers zu machen. Nein, ihr werdet hier kein Loblied ob der wahnsinns Kreativität der Designer hören. Ich habe in meinem Berufsleben schon von bis gesehen. Von der kreativen Diplom-Flachpfeife bis zum absoluten Kreativcrack, der keine Designausbildung hatte.
Nein, was ich hier möchte ist einfach mal aufzuklären was der Unterschied zwischen einem Designer und einem Diplom Designer ist. ES IST NICHT DIE KREATIVITÄT! Fakt ist, die Berufsbezeichnung "Designer" ist NICHT geschützt. Jeder kann sich Designer nennen. Wirklich jeder. Seit Anfang der 80er wird dies auch gerne gemacht und seit Anfang der 80er ist vieles nicht mehr normal gestaltet sondern "designt". Jawoll, auch Nahrung wird designt z.B. Tütensuppen. Der Begriff "Design" ist inflationär.
Einzig geschützt ist die Bezeichnung "Staatlich geprüfter Diplom Designer". Dahinter verbirgt sich eine langjährige, teilweise auch sehr kostenintensive Ausbildung. Meine hat zum Beispiel 8 Jahre gedauert. In meinem Fall die Ausbildung zur Schaufenstergestalterin, anschließend das Fachabitur für Gestaltung und dann das Fachhochschulstudium für Produktgestaltung. So hieß es damals - 22 Jahre her. Heute ist es etwas anders mit dem Bachelor und dem Master.
Nun, Ottonormalverbraucer erkennt erst mal nicht den Unterschied zwischen einem Designer und einem Diplom Designer, für ihn sind das alles irgendwie kreative, abgedrehte "Spinner" die gut malen (!) können (Achtung das war ein Gag). Der diplomierte Designer legt aber sehr viel Wert auf den kleinen Unterschied und ärgert sich natürlich darüber, dass seine langjährige, teure Ausbildung eigentlich für'n Arsch ist. Verständlich, oder? Wer geht schon gerne den umständlichen, teuren, langwierigen Weg, wenn er es auch einfach haben kann? Nur Bekloppte ;).
Es ist daher nicht unbedingt Arroganz in Bezug auf "Ich bin ja viel kreativer als der Rest der Welt" wenn ein ausgebildeter Designer darauf besteht, dass er Diplom Designer ist. Sondern der Wunsch seinen Mitmenschen deutlich zu machen:" Hey ich habe eine langjährige Ausbildung, ich habe eine staatlich anerkannte Qualifikation." Natürlich gibt es auch in diesem Berufsfeld sonne Menschen und sonne Menschen.
Es ist auch nicht Arroganz wenn ein Designer, der als Studienschwerpunkt z.B. Produktgestaltung hatte, darauf besteht auch ein Produktdesigner zu sein. Das ist ein völlig anderes Berufsbild als ein Textildesigner oder Kommunikationsdesigner oder eine andere Design-Fachrichtung. Es wäre so, als würde man einem Möbeltischler sagen er ist ein Bautischler bzw. anders herum. Beide haben zwar eine grundlegend gleiche Ausübungsbasis, die Tischlerei, aber der Ausbildungsschwerpunkt und die fachliche Kompetenz liegen bei beiden in anderen holzhandwerklichen Gebieten.
Wenn man mich z.B. als Textildesignerin bezeichnet (was mich natürlich sehr ehrt), so ist dies faktisch falsch. Ich habe keine Ahnung vom Textildesign. Ich habe eine Ausbildung für Design ja, aber im Bereich der Produktgestaltung/Produktdesign. Gaaannnnzz feine Unterschiede.
Wenn man mich z.B. als Textildesignerin bezeichnet (was mich natürlich sehr ehrt), so ist dies faktisch falsch. Ich habe keine Ahnung vom Textildesign. Ich habe eine Ausbildung für Design ja, aber im Bereich der Produktgestaltung/Produktdesign. Gaaannnnzz feine Unterschiede.
Bevor es das Berufsbild des Designers (mit Beginn der Industrialisierung) gab, oblag es dem Handwerker die Dinge zu gestalten. Es war selbstverständlicher Teil der Ausbildung. Leider ist im Zuge der Industrialisierung ein Teil dieses wichtigen Kulturgutes und ein grundlegendes Verständnis u.a. für gestalterische, generelle Gesetzmäßigkeiten verloren gegangen , nicht zu vergessen die Wertschätzung für "Hand"arbeit.
Wer sich für die Entstehung des industrialisierten Designs interessiert, dem empfehle ich sich mal mit der Geschichte des Bauhauses auseinanderzusetzen, nicht nur oberflächlich. Leider wird auch das Bauhaus oft im falschen Zusammenhang gebracht und gesehen. Auch das Bauhaus wurde aus einer Modeattitüde heraus in den 80ern "verdesignt". Da wurde und wird vieles in den Topf "Bauhaus" geworfen was gar nicht hineingehört. Hauptsache hat irgendwie mit Design, schwarzem Leder und Chrom zu tun. Mich schüttelts' als Bauhausfan.
Resümee: Ich bin zwar ein Diplom Designer (auf die korrekte Berufsbezeichnung lege ich Wert, nicht auf den angeblichen "Stand") mit Ausbildungsschwerpunkt Produktgestaltung, aber das ist ein Beruf wie jeder andere letztendlich auch. Bleiben wir mal am Boden, wir Designer mit und ohne Diplom ;), früher waren es die Handwerker die das aus dem efef konnten. Ich lege viel mehr Wert darauf auch handwerklich sehr versiert zu sein. Denn erst das Wissen um das Material und dessen Verarbeitungsmöglichkeiten, erlaubt mir die Dinge gut zu gestalten.
Hach, hab ich wieder viel geschrieben - bin ich chjetzt 'nän Schriftställa? :D
Ich lese deinen Blog schon sehr lange und wirklich mit Begeisterung.
AntwortenLöschenDieser Beitrag spricht mir aus vollem Herzen und ich danke dir dafür.Am liebsten möchte ich den Beitrag auf meinem Blog zu dir verlinken.
Das sprichwörtliche "Wort zum Sonntag"!!!
Liebe Grüße
von einer Diplom Designerin
die je nach Tagesform mal "Flachpfeife - mal Kreativcrack ist" :-)
*freu* Ich hab immer etwas Angst wenn ich so etwas schreiben, dass ich jemanden auf die Füsse trete. Letztendlich ist ja nur meine Sicht der Dinge und ja, Du darfst gerne diesen Beitrag verlinken.
AntwortenLöschenDoch, ich kann dich voll und ganz verstehen. Wir haben ja einen etwas ähnlichen Werdegang, nur dass bei mir dann das Innenarchitektur Studium stand.
AntwortenLöschenJa, DESIGN...*seufz* mir ist tatsächlich aufgefallen, dort wo es ausdrücklich drauf steht, ist es oft auch nötig darauf hinzuweisen, dass es sich um DESIGN handelt. ;-)
Ich finde uns ausgebildete Kreative unterscheidet noch etwas von unausgebildeten Kreativen: Nein, wie du schon sagtest, es ist nicht unbedingt die Kreativität, sondern dass WIE wir an eine Aufgabe heran gehen und dass wir auch "auf Bestellung" kreativ sein können, da wir das Handwerkszeug dafür gelernt haben.
Liebe Grüße, Smila, die sich jetzt Textildesignerin nennen darf, es aber nicht tut ;-). Ja, so ist mein Gewerbe eingetragen, nach den Richtlinien hier in Österreich.
hier auch nochmal von mir...liebe doris!!!
AntwortenLöschenwunderbar geschrieben und gut auf den punkt gebracht!! ich kann die aus vollem herzen zustimmen.
auch mich beschäftigt das thema hin und wieder;D...
deshalb...danke für deine ehrlichen worte!!!
liebgruss
eni die staatl. geprüfte modedesignerin ist...;D...und auch je nach tagesform "flachpfeife" oder "kreativcrack"...
;O)
AntwortenLöschenHuhuu...
also ich bin ganz "neu" hier auf deinem Blog.....aber an deinem heutigen Posting bin ich nicht vorbei gekommen!
Vor vielen Jahren .....;O)....als meine Berufswahl anstand hatte ich mich für die FH Design entschieden....und meine Mama sagte: Kind, Designer darf sich jeder nennen.....lerne zuerst was "anständiges"....gesagt getan...so wurde ich Augenoptiker!
Und bin bis heute recht unglücklich...das ich NIE den RICHTIGEN (meinen) Weg gegangen bin!
Ich bewundere alle... kreativen,wirren,sprudelnden,Freigeister.....die voll Farbe und Formen sind.
Fazit: dein Bericht ist spitze....aber hat mich wieder traurig gemacht!
;O)))
Liebe Grüße aus dem Perlenuniversum.....Heike
Studieren is wie Filzen: Jede Menge Nadelstiche und vom sanften Streicheln bis zum heftigen Walken ist alles dabei, aber das Ergebnis isses wert! :)
AntwortenLöschenKlar braucht nicht jeder zwingend ein Diplom, aber die Auseinandersetzung und den Austausch mit Professoren und Kommilitonen, mit all ihren verschiedenen Talenten und Spezialgebieten, möchte ich nicht missen! Vieles kann man auch gar nicht anders lernen.
Das Studium gibt einem ein gutes Grundgerüst mit, und dann füllt man es sein Leben lang mit neuen Erfahrungen und neuem Wissen weiter aus.
@ JuLI
AntwortenLöschenDu hast recht, vollkommen. Wobei ich andere, eher negative Erfahrungen im Studium gemacht habe. Nämlich ein Hauen und Stechen, so das ich damals zum gnadenlosen Alleingang übergegangen bin. Ich hatte keinen Bock auf dieses unreife Kreativgezicke. Ich wollte was lernen und nicht intrigieren.
@ Smila
Eine der wichtigsten Komponenten. Mir war es in diesem Post wichtig, dass die Menschen einfach mal den Unterschied begreifen und etwas kritischer mit dem Begriff "Design" und "Designer" umgehen.
Unreifes Kreativgezicke. Sehr schön, Doris :). Mit ein Grund warum ich mein Design-Studium nicht zu Ende gebracht habe und dann doch was Unkreatives studiert habe... Oh Gott, ich bin nicht diplomiert, darf ich hier noch schreiben :)?!
AntwortenLöschenWie, Du bist nicht diplomiert? RAAAAUUUUUUUSSSSSSSS :D
AntwortenLöschen"ein Hauen und Stechen" Ich sach ja...Nadelstiche und Walken! :D Aber bei uns war es im Allgemeinen eigentlich recht friedlich, nur es "arrogantelte" so an manchen Ecken, vor allem bei den Grafikern... *grins*
AntwortenLöschenAber dass man lernt, ob man besser in Gruppen oder alleine arbeitet und mit welcher Sorte Kollegen man gut arbeiten kann und bei welchen Warnzeichen man schnell das Weite suchen sollte, das ist ja ein großer und wichtiger Teil des Studiums, finde ich. Aus der Erfahrung weiß ich auch, dass eine Zusammenarbeit mit den richtigen Leuten absolut Spaß machen kann, die zu finden aber schwer sind, und es mit den falschen zum absoluten Horrortrip ausarten kann.
Ich arbeite auch lieber alleine und hab meine Kurse ganz nach meinen eigenen Vorstellungen ausgesucht, wodurch ich über die Jahre sehr vielen Kommilitonen etwas über die Schulter schauen konnte, aber gleichzeitig einfach mein eigenes Ding durchgezogen hab. Das war schon klasse. :)
Aber von wegen Kommilitonen... FEE?!? Du hast doch wohl nicht etwa bei uns an der FH studiert und wir haben uns vielleicht doch schon mal getroffen?? Dat wär ja was! ^^
Ich habs umgekehrt gemacht und erst zwei Semester Raumplanung studiert und dann zu Design gewechselt.
Das "Arroganteln" treibt einem spätestens der Arbeitgeber aus. Da hat man nämlich nach seiner Pfeife zu tanzen.
AntwortenLöschenWer glaubt sich als freier Designer diese Arroganz leisten zu können, der wird ganz schnell in der Wirtschaft eines besseren belehrt. Nämlich dann, wenn er keine Aufträge bekommt.
Macht hat der, der das Geld hat. Und nur als angesagter Designer kannste Dir ne Menge erlauben, bloß das schaffen nur gaaannnz wenige. Und dort arbeiten im Hintergrund ganz viele kleine Designhelferlein fürn Appel und ein Ei.
O-Ton während eines Bewerbungsgesprächs:" Wie, sie wollen ein angemessenes Gehalt? Sie würden für UNS arbeiten und hätten UNS in ihrem Lebenslauf stehen ... ist das nicht eigentlich Bezahlung genug?" Gut das war zu "meiner" zeit, kann sein das sich die Denke geändert hat.
Ja Fee, Du bist aber auch immer für eine Überraschung gut.
Ja, in meiner ehemaligen Branche hat man für Lau gearbeitet, wenn es ein renommiertes Büro war. Gerade dass man nicht selbst dafür bezahlt hat, dort arbeiten zu dürfen. ;-)
AntwortenLöschenAber Hauen und Stechen und Intrigen und Arroganteln im Studium ... nööö, das gab es eigentlich eher nicht.
Eigentlich haben wir in Teams tolle Projekte auf die Beine gestellt.
Für die Diplomarbeit haben wir (10 Architektur-Studenten und eine Innenarchitektur-Studentin (ich)) einen Saal gemietet und haben dort zusammen Tag und Nacht gearbeitet. Die Professoren sind immer gerne zu UNS gekommen, wenn es Korrekturtermine gab. ;-)
Nee, echt...das war eine wirklich schöne Zeit. :-)
Liebe Grüße, Smila
spannend was du schreibst doris...genauso hab ich es erlebt bei meinem studium...nur gezicke, machtspielchen...und vorallem geschleime.
AntwortenLöschenich hab mich auch ganz schnell abgegrenzt...mein ding gemacht...mit ein zwei kommilitonen hat es gut geklappt...aber nun ja.
trotzdem hab ich es gern gemacht...
und ja...arroganz hat dann im real life nichts mehr zu suchen...denn da fängt man meist klein an. und steigt als praktikant ein...die wenigsten steigen gleich oben ein...und wenn dann nur durch beziehungen.
und doris...es hat sich nicht geändert...ist immernoch so, dass man glück hat, wenn man nicht zahlen muss um bei "soundso" zu arbeiten...;D
@fee...wie..du hast kein diplom???;P
ich auch doch auch nicht;D...
liebgruss
eni
Dieser Beitrag ist einfach der Hit und die Kommentare, sind die ersten die ich überhaupt in einem Blog von Anfang bis Ende lese ... einfach toll.
AntwortenLöschenDesignerin und Arroganz ... zwei Dinge, die sich in der Realität leider nicht gut verstehen. Oder besser 90% können sich das nicht leisten, weil sie leisten was der Auftraggeber sagt oder der "ArtDirektor".
Ich kenne einen der sagte mal: "Frau XY, wenn ich ihnen sage das ich es -Pink- haben möchte, dann sollten sie verdammt nochmal wissen das sie es -Rosa- machen sollen - sind sie farbenblind."
So und nun wird das Wort zum Sonntag verlinkt - Danke für die Freigabe.
Liebe Grüße
Kerstin
Ich lese hier noch nicht so lange aber diesen beitrag finde ich einfach zu schön.
AntwortenLöschenIch gehöre auch zu den diplomierten Designern aber aus dem Bekleidungssektor mit Damenschneiderausbildung, Gesellenjahr, Fachabitur Gestaltung und last but not least Studium an der FH Niederrhein Dipl.Ing.Bekleidungsdesign. Mittlerweile auch schon 15 Jahre her. Ein Gezicke gab es damals nicht wirklich im Studium wir waren je 15 DOB und 15 HAKA Gestaltungsleute hatten sehr viel Projektarbeit, ein wirklich hartes Grundstudium mit den Dipl.Ing. Fächern, alles in allem eine schöne Zeit. Zickig wurde es erst als es um die Jobfindung ging. Heute verstehe ich warum immer erfahrene Designer für die Kollektionserstellung gesucht wurden, weil einfach zuviel Geld daran hängt. Nun habe ich selbst ein paar Jobs hinter mich gebracht, bin gelassen geworden und kann manchmal das Gezicke auf dem DESIGNmarkt nur belächeln.
Herzliche Grüsse aus dem Teuto....
Michaela
ha - es folgt ein Scherz - das mit dem ""handwerklich versiert" solltest du mit dem Foto von dem gequetschten Finger belegen!
AntwortenLöschenDafür übrigens gute Besserung!!!!
Ich für meinen Teil lege besonderen Wert auf meinen Gesellenbrief, ja, auch wenn ich eine "Gesellin" bin, damals hieß das Teil eben Gesellenbrief.
Nun habe ich auch einen Hochschulabschluss als Diplom-Kommunikationsdesignerin, doch der Gesellenbrief ist halt doch was besonderes für mich - da gibt es auch ein "Gesellenstück". Dabei knipse ich heute doch nur, doch dafür habe ich mich lange und intensiv ausgebildet. Heute weiß ich, das alles war wichtig für mich und interessiert sonst kein Sau...
Leider!!!!