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Doris Niestroj | Filz & Form.



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Doris Niestroj

P.S. die.waschkueche und dieser Blog werden von mir nicht mehr weitergeführt. Der Blog bleibt als Archiv erhalten.

19. Mai 2009

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4. Teil - Kapitel "Die Tasche wird"
| ... wo war ich jetzt eigentlich beim 3. Teil meiner Taschenserie stehengeblieben? Ach ja, beim Kardenband mit Eigenleben. Ja, dieses Kardenband ist richtig tückisch. Mit Kardenband habe ich sowieso meine Probleme. Dadurch, dass Kardenband lange glattgezogene Fasern hat, habe ich immer das Gefühl, dass sich die Schichten nicht richtig miteinander verbinden.

Bevor ich weiterschreibe, mein Tipp an Euch: Holt Euch Chips (oder anderes essbares, kalorienreiches) und etwas zu trinken, es wird wieder länger.

Bei Vlies brauche ich nur "BUH" zu sagen und alles ist schön homogen durch und durch miteinander verfilzt. Warum, weil Vlies bereits ineinander verhakt ist und gaaaaannnz viele kleine Minilöckchen hat, die nur darauf warten endlich eine innige Verbindung miteinander einzugehen.

Kardenband hingegen ist lockige Locke (tatsächlich, lockige Locke. Ich platze heute wieder vor Logik ;)) feste glatt gezogen, also kardiert. Das nimmt der Wolle schon ein wenig die Fähigkeit sich schnell und intensiv zu verbinden. Problem wenn man es, wie ich gerne, beim Auslegen der Schichten übertreibt. Da kann es passieren, dass die mittlerste Schicht nicht wirklich richtig fest mit den anderen Schichten verbunden ist. Trotz intensivsten Filzens und Walkens.

Mit walken meine ich nicht ein Hauch Sekündchen von rolle, rolle in der Bambusmatte. Ne ne, da ist bei mir Hardcorewalken angesagt. Gerade bei großen Stücken, die auch etwas aushalten müssen. Das bedeutet einen schweren Metallkern rein, feste gezurrt und dann ist Beinarbeit angesagt. Nebeneffekt bei dieser Art des Walkens: Es macht straffe Schenkel! Nach einer Stunde walken summt es ordentlich in den Muskeln. :)

Es summte dann allerdings nicht nur in meinen Muskeln, als ich die Tasche aufgeschnitten hatte, sondern mein Blutdruck fing auch an zu summen, in Richtung 180. Ein Griff ins Innerste der Tasche und den Filz prüfend zwischen den Handflächen hin- und hergeschoben bestätigte mir: Mal wieder nicht richtig verbunden. Was ich mich noch zum summen brachte - Summton ungefähr zornige Wespe - war der Querschnitt des Filzes. SUUUUUUUPPPPPPPAAAAAAAA....dick. Voll toll :(.

Wenn ich eins nicht mag, dann ist das wattiger Filz, schlecht verbunden, mit dem Querschnitt eines Telefonbuches.

Ja, jetzt stand ich da, mit den Händen in der Tasche (nicht von der Hose, die Taschen mein ich), mein Blutdruck blubberte mehr oder minder gleichbleibend auf hohem Niveau bei 180 Schlägen und sah die Farbaktion in weite Ferne gerückt und meine Motivation dem schnell folgend. "Was tun?" sprach Zeus.

Es gibt da natürlich eine Möglichkeit...aber...ich bin der totale Filzoberflächenglattfreak. Je glatter und festgewalkter die Oberfläche, desto glücklicher Doris. Das erreicht man ganz klassich mit filzen und viel walken. Es gibt noch die Möglichkeit den Filz zu knautschen, zu wringen, zu würgen, zu schlagen, zu krumpfen. Eben der Vorgang, wenn man Filz zwischen die Hände nimmt und ordentlich knetet. Das mag ich aber nicht so gerne, denn dabei passiert folgendes, die sorgfältig glattgezogenen Löckchen werden wieder in ihre Ursprungsform geknetet und das gibt eine grieselig-körnige Oberfläche. =:o


Dieses Foto zeigt ein Probestück im Gegenlicht. Man kann sehr gut erkennen, wie sich das vormals glatte Kardenband nach dem Knautschen wieder gekringelt hat.


Ich war genervt. Das war unzumutbar für mich. DAS GING GAR NICHT!!!!!! Leider fiel mir nichts anderes ein die Schichten vernünftig miteinander zu verbinden, um meinen Qualitätsansprüchen an einen festen,glatten Filz zu genügen.

Die Tasche war eh nicht mehr so, wie ich sie haben wollte, da habe ich dann wildentschlossen geknautscht und geknetet. Siehe da, die Schichten verbanden sich und siehe da, die körnige Oberfläche kam zum Vorschein und siehe da, das gefiel Doris nicht wirklich. Na sowas?!?


Im Schlaglicht fotografiert, erkennt man die körnige-lebhafte Struktur des ersten Versuches.



Hier im Schlaglicht, zum Vergleich, der zweite Versuch. Etwas glatter.


Ab hier kommen die Probestückchen ins Spiel. Nach dem ich die Tasche fertig hatte und sehr erstaunt war, wie schnell dieser Knautschvorgang zum Ziel führt, habe ich mir überlegt aus einer gewagten, fein austarierten, streng wissenschaftlich untermauerten Kombination von walken und knautschen doch eine glatte Oberfläche hinzubekommen.

Noch was, niemals ungerade Schichten auslegen, das führt dazu, das eine Richtung sich mehr zusammenzieht als die andere. ..-nur so nebenbei (obwohl es in allen Bücher steht, however). Da wird aus einem Quadrat Kantenlänge 30 x 30 cm (Probestück) mal ganz schnell ein Langrechteck Kantenlänge 30 x 15 cm. Wozu Probestückchen doch alles taugen. Ich hatte mich nämlich schon bei der Tasche gewundert, warum sich eine Richtung nicht so recht richten wollte.

Und jetzt mach ich es mal ganz kurz, nach dem zweiten Probestück hatte ich den Dreh raus und meine Tasche, zweiter Anlauf mit drei Schichten war fertig. Gut die Oberfläche ist nicht wie ein Babypopo, aber es gibt Menschen denen gefällt genau dieser grieselige-lebhafte Charakter bei Filz und ich fand es dann auch gar nicht nicht mal sooooo übel.


Eher unspektakulär der Rohling.

Aber der nächste Horror wartete schon auf mich. Henkel! Henkel und ich. Zwei Welten, davon eine massivst unentschlossen, prallen gnadenlos aufeinander. Davon mehr in, ach du Schreck, Teil 5.

Na, Chipse alle? ;)
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Edit | Wenn Ihr die komplette Taschenserie auf einen Blick haben möchtet, klickt einfach unter diesem Post bei Labels auf "tasche". Technik kann 'ne tolle Sache sein. Besonders, wenn man sie ansatzweise beherrscht. :) Ich sach das jetzt, weil GG gerade Schrotti von Hardtop auf Bikintop umrüstet. Ich bin gespannt, was dabei rauskommt.
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