Also, das ist mein allerheiligstes Kochbuch - fleckig, abgegrabbelt, klebend und Seiten verlierend. Nicht wirklich der optische Burner unter den Kochbüchern in meinem Regal. Egal! Diese Kladde begleitet mich bereits seit meinem Studium. Das dürfte jetzt ... ähem ... oha, etwas mehr als ein Vierteljahrhundert ist es her ... o.k. dann darf das Buch auch etwas Old School aussehen. Genauso Old School sind auch einige Rezepte daraus.
Zugegeben, damals, ca. 1985, gab es in Deutschland noch keine Cupcakeszene und auch der Begriff 'Topping' hätte irritiertes Stirnrunzeln verursacht - es gab noch nicht mal das Internet. Der Euro hieß Deutsche Mark und war das Doppelte wert. PC's begannen stolpernd Einzug in der Kreativszene zu nehmen und wurden mißtrauisch von uns Designern in spe beäugt. Fürchteten wir doch um unsere kommenden Arbeitsplätze, nicht ganz zu unrecht und hielten den Kreativbleistift krampfhaft hoch. Ich habe das Entwerfen noch ganz klassisch mit dem Bleistift, Buntstiften auf Skizzenpapier ausgeübt sowie die technischen Zeichnungen mühevoll mit dem Rapidograph, diversen Kreisschablonen, Kurvenlinealen, Geodreiecken und der Reißschiene angelegt. Stundenlang in gebeugter Haltung über dem Schreibtisch.
So war das damals. In diesem Zeitraum entstand auch das Kladdekochbuch. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Ich hab mich geändert, die Designszene hat sich geändert, der Computer nahm Einzug und wird heute wie selbstverständlich verwendet. Nix mehr mit gebeugter Haltung über dem Schreibtsich bis die Wirbel stimmungsvoll knirschen und man aus der devoten Bückhaltung nur noch unter äußerst schmerzhaften Aufwand in Zentimeterschritten in die aufrechte Körperhaltung zurückgelangt. Heute wird kein Diplom mehr gemacht, sondern man macht in diesem Bereich seinen Bachelor und anschließend, wenn noch genug Geld da ist, seinen Master. Die Fachhochschule heißt heute nicht mehr Fachhochschule sondern: HAWK - Fakultät für angewandte Kunst.
Merkt Ihr, ich werde besinnlich am 3. Advent. Muß auch mal sein ;).
Viel hat sich seitdem verändert. Geblieben ist folgendes Kuchenrezept, dass sich auch noch nach 25 Jahren größter Beliebtheit erfreut z.B. heute am 3. Advent und von meiner damaligen WG-Mitbewohnerin stammt, Grüsse nach Köln ;).
HASELNUSSKRANZ
Teig
300 g Weizenmehrl
6 g Backpulver
100 g Zucker
1 Päckchen Vanillinzucker
1 Ei
2 Esslöffel Milch oder Wasser
125 g Butter
Füllung
300 g gemahlene Haselnüsse
150 g Zucker
4-5 Tropfen Bittermandelöl (kann, muß nicht)
1 Eigelb
1 Eiweiß
6 Esslöffel Wasser
Zum Bestreichen ein halbes Eigelb mit etwas Milch verquirlen
Für den Teig Mehl und Backpulver mischen. Zucker, Vanillinzucker, Ei, Flüssigkeit und die in Stücke geschnittene Butter hinzugeben und durchkneten. Den fertigen Teig für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.
In der Zwischenzeit die Füllung herstellen. Dazu alle Zutaten verrühren und zu einer homogenen Masse kneten.
Anschließend auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig dünn ausrollen, ca. 35 x 45 cm gross. Walnussgrosse Stücke der Füllung auf den Teig verteilen und mit einem Messer glattstreichen. Den Teig von der längeren Seite her aufrollen. Auf ein, mit Backpapier belegtes, Backblech legen und zu einem Kranz formen. Den Kranz mit dem verquirlten Eigelb bestreichen, in gleichmäßigen Abständen achtmal einschneiden.
E-Herd 175 - 195 Grad
Gas 3-4
Backzeit ca. 45 Minuten
Habt einen schönen 3. Advent.



Klingt sehr lecker. Aber wenn das Rezept so lange überlebt hat, muss es das wohl sein.... Deine Handschrift hat sich auch nicht groß geändert, oder :)?! Liebste Grüße und einen schönen dritten Advent, Fee
AntwortenLöschendas erinnert mich sehr an das "kochbuch" meiner mama, das ist mittlerweile auch schon durch so manche lebenslagen gegangen (und ich hab öfter mal teig drauffallen lassen, schande über mich), aber da sind die besten familienrezepte drin :-)
AntwortenLöschenSieht sehr lecker aus. Könnte ich glatt noch ein Stück von essen, auch wenn Omas Quarkstollen ziemlich sättigend ist. :) Ich habe so einen Ordner, in den ich die Rezepte hefte, und ein paar daraus sind auch schon fast ein Vierteljahrhundert (naja, eher ein Fünfteljahrhundert) alt, von einem Kinderkochkurs.
AntwortenLöschenLiebe Grüße und dir auch einen schönen dritten Advent, Mona
Das Foto vom angeschnittenen Haselnusskranz sieht soooo lecker aus, da möchte man ja fast gleich reinbeißen ;-)
AntwortenLöschenHält der sich gut?
Wir 2 brauchen wohl eine Woche für das Kränzchen ...
Liebe Adventsgrüsse, Anette
Anette, der Kuchen hält sich ziemlich lange. Bei uns schafft er es zuweilen bis zu drei Tage ... ;)
AntwortenLöschen*gg*...3 tage, mensch doris, das ist ja eine kleine ewigkeit...ich werd in auf jeden fall nachbacken, der klingt so lecker! liebe grüße alex
AntwortenLöschenIch habe meine technischen Zeichnungen auch noch mit Rapidographen gemacht und hasste die Kurvenlineale :-)
AntwortenLöschenDein Kranz sieht sehr lecker aus - den wird man statt mit Haselnüssen doch sicher auch mit Mandeln backen können, oder?
Gestern hatte ich auch einen recht besinnlichen Tag - eine Welle der Erinnerungen überschwappte mich... ich habe es aber auch ganz gut überlebt :-)
Viele lieb Grüße von
myriam.
@ Myriam
AntwortenLöschenKurvenlineale waren auch nicht meine Freunde. Ich habe dann diese flexiblen Lineale gekauft, aber die sind im Gebrauch eher als mangelhaft zu bezeichnen.
Natürlich kann man den Kranz auch mit Mandeln machen.Der auf dem Foto hat als Füllung eine Mischung aus Haselnuss und Mandel - muß ja alles mal weg.